Virusinfektionen

Es gibt eine Vielzahl von Virusinfektionen der Haut. So sind zum Beispiel die Warzen (Verrucae vulgares) und die Dellwarzen (Mollusca contagiosa) eine reine Infektion der Haut und die Windpocken, Röteln, Herpatitis B und C eine allgemeine Viruserkrankung mit Beteiligung der Haut. Der Herpes zoster und der Herpes simplex, der besonders zu Rückfällen neigt, stellen relativ häufige Virusinfektionen der Haut dar. Die Viren besitzen keinen eigenen Stoffwechsel. Um eine Infektion hervorzurufen, müssen sie die Zellen des menschlichen Organismus befallen. Eintrittspforten der Viren sind die Schleimhäute bei der Einatmung, der Verdauungstrakt und die Haut.

Herpes zoster (Gürtelrose)

Der Herpes zoster wird durch das Varizella-Zoster-Virus hervorgerufen. Das Virus löst zunächst bei der Erstinfektion Windpocken aus, die fast jeder Mensch in der Kindheit durchmacht. Bei nachlassender Abwehrlage im mittleren und höheren Lebensalter oder nach Krankheiten kann es zu einer Reaktivierung der Viren kommen, die nach der Erstinfektion im Körper in den Nervenganglien verblieben sind. In der Regel kommt es zu einer lokal umschriebenden Erkrankung im Versorgungsbereich des zugehörigen Nerven. Die Ausbreitung der Viren entlang den Nerven ist von charakteristischen Schmerzen begleitet. In den Hautzonen, die von den Nerven versorgt werden, erscheinen auf gerötetem, geschwollenem Grund gruppiert stehende Bläschen und Blasen, die rasch eintrüben und dann langsam eintrocknen. Oft sind die örtlichen Lymphknoten vergrößert und druckschmerzhaft. Häufig wird vom Patienten schon vor Auftreten der Hautveränderungen über starke Schmerzen geklagt. Diese Schmerzen können je nach Lokalisation mit „Hexenschuss“ (Lumboischialgien), Herzinfarkt oder Migräne verwechselt werden. Nach Abheilung der Hautsymptome dauern die starken Nervenschmerzen nicht selten über Monate an. Die Schmerzen (Zoster-Neuralgie) werden als brennend und einschießend beschrieben und stören den Schlaf empfindlich.

Die Behandlung des Herpes zoster sollte frühzeitig – innerhalb der ersten 72 Stunden – erfolgen, da so die Häufigkeit und Intensität der postzosterischen Neuralgien, dieser anhaltenden Schmerzattaken, deutlich eingeschränkt werden kann. Behandelt wird äußerlich und innerlich mit Medikamenten wie Aciclovir, Brivudin, Famciclovir, Valaciclovir und bei aciclovirresistenten Varizella-Zoster-Virus- stämmen mit Foscarnet. Diese Medikamente hemmen die Vermehrung der Viren. Lokal wird austrocknend mit z. B. Zinkschüttelmixturen oder Mixturen mit Phenol – Methanol – Harnstoff – Polykondensat, einem synthetischen Gerbstoff, behandelt. Die örtliche Behandlung mit antiviralen Substanzen ist umstritten, kann im Einzelfall aber versucht werden. Bewährt haben sich Salben oder Lösungen mit Aciclovir, Foscarnet, Idoxuridin und Tromantadin. Starke Schmerzen sollten frühzeitig mit schmerzlindernden Medikamenten behandelt werden, da Schmerzen vom Körper sehr rasch „gelernt“ werden und damit das Risiko postzosterischer, anhaltender Schmerzzustände verringert wird. Treten trotzdem postzosterische Neuralgien auf, kommt eine Langzeitbehandlung mit Analgetika (schmerzlindernden Medikamenten), eventuell unterstützt durch Antiepileptika (krampfanfallunterdrückende Medikamente) oder trizyklische Antidepressiva in Frage. Trizyklische Antidepressiva heben die Schmerzschwelle an. Diese Therapie sollte in Kooperation mit dem Neurologen erfolgen. Lokal kann evtl. auch ein Therapieversuch mit Capsaicin Creme oder alternativ mit einer Neuraltherapie gemacht werden. Unter Neuraltherapie versteht man die lokale Injektion von örtlichen Betäubungsmittel in die schmerzenden Areale.

Herpes simplex („Fieberbläschen“, „Gletscherbrand“)

Diese Hauterkrankung wird durch zwei Virustypen, dem Herpes- simplex-Virus Typ I und II hervorgerufen. Das Herpes-simplex-Virus Typ I findet sich vornehmlich an der oberen Körperhälfte (Extragenitaltyp), das Herpes-simplex-Virus Typ II an der unteren Körperhälfte, vor allem im Genitalbereich (Genitaltyp).

Die Erstinfektion erfolgt über kleine Schleimhautverletzungen und verläuft in vielen Fällen klinisch unbemerkt. Nach der Erstinfektion überdauert das Virus lebenslang in Nervenganglien,den Nervenknoten in den sensiblen Hintersträngen des Rückenmarks. Eine Reaktivierung der Viren in diesen Ganglien mit Auftreten der typischen Hautsymptome ist jederzeit möglich.

Meist provozieren immunsuppressive Faktoren (abwehrvermindernde Faktoren) wie Allgemeinkrankheiten, Virusgrippe, Erkältungskrankheiten, Sonneneinstrahlung, selbst Ekel das Auftreten des Herpes simplex.

herpes simplex

Herpes simplex

Klinisch erkennt man eine Herpes-simplex-Infektion an kleinen gruppiert stehenden Bläschen auf gerötetem Grund, die rasch eitrig eintrüben, schließlich eintrocknen und als Krusten abfallen. Subjektiv bestehen vor Auftreten der Bläschen häufig Spannungsgefühl, Juckreiz und Brennen. Häufigste Lokalisation für das Herpes-simplex-Virus Typ I sind Lippen, Kinn und Wangen. Prinzipiell kann aber jede Hautregion, auch an der unteren Körperhälfte befallen werden. Typisch sind begleitende regionale Lymphknotenschwellungen. Der Erstbefall bei Kleinkindern verläuft oft schwer in Form einer Gingivostomatitis herpetica, darunter versteht man ausgedehnte, geschwürige Veränderungen im Bereich der gesamten Mundschleimhaut und der Lippen, begleitet von deutlichem Krankheitsgefühl wie Unruhe, Abgeschlagenheit, Fieber, Erbrechen, selten Krampfneigung.

Der genitale Herpes simplex führt zu rasch aufplatzenden Bläschen, so dass man oft nur gruppiert stehende, glasstecknadelkopfgroße Geschwüre findet. Er ist immer begleitet von deutlichen Lymphknotenschwellungen; nicht selten treten auch Schmerzen beim Wasserlassen auf. Bei Frauen wird häufig der Gebärmutterhals mitbefallen. Extrem selten entwickelt sich als Komplikation bei Erwachsenen eine Herpes-simplex-Enzephalitis (Gehirnentzündung). Gefährlich ist die Erstinfektion mit Herpes-simplex-Viren bei Neugeborenen, da das Immunsystem der Neugeborenen noch nicht voll entwickelt ist. Bei den Neugeborenen werden im Rahmen dieser Herpessepsis das Gehirn und Organe wie Leber und Milz befallen. Die Sterblichkeit ist hoch. Selten tritt eine Herpes-simplex-Infektion der Hornhaut der Augen auf. Die Herde an der Hornhaut können narbig abheilen und das Sehvermögen beeinträchtigen.

Eine weitere Komplikation ist das Ekzema herpeticatum, eine massive, großflächige Aussaat von Herpesbläschen auf der Haut von Personen mit Ekzemneigung wie der Neurodermitits oder mit schweren Allgemeinerkrankungen. Diese großflächige Aussaat erfolgt durch Autoinokkulation (Selbstübertragung) von einem Herpes-simplex z. B. im Bereich der Lippen oder durch Heteroinokkulation über Kontaktpersonen mit einer Herpes-simplex-Infektion. Das Ekzema herpeticatum ist eine Erkrankung mit teils starkem Juckreiz, schmerzhaften Lymphknotenschwellungen und hohem Fieber. Diese Symptome erfordern eine innerliche und häufig auch eine stationäre Behandlung.

Zur Behandlung werden bei Erstinfektionen oder schweren Verläufen systemisch (innerlich) virushemmende Medikamente wie Aciclovir, Brivudin, Famciclovir, Foscarnet oder Valaciclovir eingesetzt. Bei umschriebenen, unkomplizierten Fällen wirken die lokale Anwendung von virushemmenden Salben ( 6x täglich) in den ersten vier Tagen, das heißt in der Phase der aktiven Virusvermehrung, krankheitsverkürzend. Bewährt haben sich die Wirkstoffe Aciclovir, Foscarnet, Idoxuridin, Penciclovir, Tromantadin, Vidarabin. Eine ähnliche Wirkung wird auch dem Zinksulfat zugeschrieben. Bei mehr als 6 bis 8 Rückfällen eines Herpes simplex im Jahr (Herpes simplex recidivans) wird eine bis zu 1 Jahr dauernde Prophylaxe mit virushemmenden Medikamenten innerlich durchgeführt. Auch alternativmedizinische Ansätze wie Eigenblutinjektionen und Akupunktur bringen manchmal Erfolge beim rezidivierenden Herpes simplex.