Pflege der Kinderhaut

Die Haut der Säuglinge, Kleinkinder und Kinder ist besonders empfindlich und benötigt daher eine konsequente und intensive Pflege. Die Dicke der Haut der Kinder beträgt nur etwa 1/5 der Haut des Erwachsenen. Die Hornschicht ist besonders gering ausgeprägt und die Hornzellen liegen lockerer geschichtet als im höheren Lebensalter. Der natürliche Säureschutzmantel der Haut bildet sich bei Neugeborenen erst nach einigen Wochen und ist auch bei Kleinkindern unvollständig ausgebildet. Durch die lockere und dünne Hornschicht erhöht sich die Abdunstung von Feuchtigkeit aus der Haut. Die Neigung zur Austrocknung ist somit erhöht. Andererseits ist die Aufnahme (Penetration) von äußerlichen Wirk- und Fremdsubstanzen erhöht. Wirkstoffe von Pflegeprodukte dringen tiefer ein und können in den Körper aufgenommen werden.
Da die Produktion der Talgdrüsen bis zum Einsetzen der Pubertät stark reduziert ist, ist der Hydrolipidmantel und somit die Schutzwirkung gegen Allergene, Schad- und -Reizstoffe geringer ausgebildet. Auch liegt der pH-Wert der Säuglingshaut in den ersten Lebensmonaten im schwach sauren Bereich und sinkt danach erst in den Bereich um 6 und niedriger ab. So ist die Haut anfälliger für Mikroorganismen. In den ersten Lebenswochen wird die Haut erst von den „natürlichen“ Bakterien besiedelt und sie physiologische Hautflora bildet sich aus.
Der Windelbereich stellt für die Kinderhaut eine besondere Belastung durch Urin und Kot dar. Ammoniak und Enzyme aus dem Stuhl und Urin belasten die Haut und begünstigen die Lebensbedingungen für krankmachende Mikroorganismen wie Hefen und Bakterien.

Die Hautreinigung der Säuglings- und Kinderhaut sollte mit pH – neutralen, also sauren Seifen und Syndets erfolgen. Die Windelregion muss eventuell mehrmals täglich gereinigt werden. Körperbäder bei Kleinkindern empfehlen sich 1 – 2 mal wöchentlich, können aber auch häufiger erfolgen. Jedoch muss die Haut dann konsequent zurückgefettet werden. Die Zugabe von ölhaltigen und rückfettenden Badeprodukten bedingt nur einen minimalen Schutz gegen Austrocknung, da bekannterweise das Fett nach kurzer Zeit als feiner Film auf der Oberfläche schwimmt. Häufige Bäder sollten auf jeden Fall nur kurz erfolgen.
Als waschaktive Substanzen empfehlen sich die milden Formen wie Dinatriumlaurylsulfobernsteinsäureester, Kokusfettsäureamidopropylbetain und Eiweißfettsäure- kondensate. Als rückfettende Substanzen in Ölbädern werden Paraffinöl, Jojobaöl oder Polysiloxan/Polyglycol-Copolymär eingesetzt. Bewährte Feuchthaltesubstanzen sind Glycerol, Sorbitol und Propylenglycol. Hautpflegend und hautberuhigend wirken Allantoin, Bisabolol und Panthenol. Bei den Babyshampoos verzichtet man auf quartäre Ammoniumverbindungen. So werden die Shampoos reizlos bei Kontakt mit den Augen vertragen.

Für die Hautpflege empfehlen sich Cremes und Körperlotionen (O/W-Emulsionen) und für die stark austrocknenden Bereiche W/O-Emulsionen. Der Lipidgehalt ist zum Teil deutlich erhöht. Die Körperlotionen enthalten um 20 % Fett, bei starken Schutzcremes gegen Austrocknung und Kälte kann der Fettanteil bis 70 % ausmachen. Als Lipidkomponenten dienen pflanzliche Öle wie Avocadoöl, Erdnußöl, Jojobaöl, Sonnenblumenöl, Weizenkeimöl, seltener tierische Produkte wie Wollwachs (Lanolin). Auch Paraffinöl, Vaseline, Siliconöle werden verwendet. Als Emulgatoren mit hautpflegenden Eigenschaften werden Fettalkohole wie Cetylalkohol, Stearylalkohol oder Wollwachsalkohole eingesetzt. Der schwach saure pH-Wert wird meist durch Milchsäure eingestellt, die zusätzlich feuchtigkeitsspeichernde Eigenschaft besitzt. Weitere Feuchthaltesubstanzen sind Glycerol, Sorbitol und Harnstoff. Hautpflegende Eigenschaften besitzen Allantoin, Bisabolol und Panthenol. Sinnvoll erscheint teilweise der Zusatz von Vitamin E und A als Radikalfänger.

Für die Reinigung des Windelbereiches sind Wasser, Reinigungslotionen, aber auch Babyöle zu empfehlen, um die Haut von Ammoniak, Enzymen und mikrobiellen Zersetzungsprodukten aus Kot und Urin zu reinigen. Die Schutzcremes für den Windelbereich sind W/O-Emulsionen und Pasten mit einem hohen Lipidgehalt, die gleichsam eine Barriere zwischen Haut und reizenden Substanzen aus Urin und Kot bilden. Eine Okklusion durch Pflegeprodukte, das heißt ein zu starker Abschluss der Haut mit Treibhauseffekt, ist zu vermeiden. Babypuder sind nicht mehr zu empfehlen, da sie bei Aufnahme von Flüssigkeit verklumpen und unnötige Reibung verursachen.