Peelings

    Vitamin A und Retinoide

    Von den Vitamin-A-Präparaten sind die Vitamin-A-Säuren Tretinoin (all-trans-Retinsäure) und Isotretinoin (13-cis-Retinsäure) die wirksamsten Anwendungsformen. Die Wirkung der Vitamin-A-Säure besteht in einer gesteigerten Teilungsrate der Basalzellen und somit in einer Verdickung der Epidermis (Oberhaut). Die Hornschicht wird vermindert, die Oberhaut verdickt und die Kollagenbildung angeregt. Unter Vitamin-A-Säure wirkt die Haut glatter und straffer. Kleine Fältchen und Runzeln gehen zurück. Das Hautoberflächenrelief erscheint gleichmäßiger, da Verhornungs- und Pigmentierungsstörungen vermindert werden. Die lokalen Konzentrationen von Tretinoin liegen zwischen 0,01 und 0,1 %, meist werden 0,05 bzw. 0,1 % eingesetzt. Das Tretinoin wird als Creme oder Gel abends auf die Gesichtshaut aufgetragen. Nach 8 bis 12 Monaten soll die Anwendungshäufigkeit auf 2- bis 3 mal pro Woche für unbegrenzte Zeit fortgesetzt werden.
    Wegen des schälenden und austrocknenden Effekts empfehlen sich morgens feuchtigkeitspendende Cremes. Ein Sonnenschutzmittel sollte aufgetragen werden. Eine Glättung der Falten stellt sich oft erst nach mehreren Monaten ein. Als Nebenwirkungen der Vitamin-A-Säuren können Trockenheit der Haut mit Schäleffekt und Rötung bis zur sehr seltenen Blasenbildung auftreten. Diese Nebenwirkungen sind ausschließlich lokaler Natur. Trockenheit und Rötung werden als Behandlungswirkung angesehen. Bei zu starken Nebenwirkungen sollten die Anwendungen bei trockener Haut auf 2 mal in der Woche vermindert und bei späterer guter Toleranz die Anwendungshäufigkeit wieder erhöht werden. Die Anwendung von UV-Filtern am Tag ist ratsam, da Vitamin A durch UV-Strahlung inaktiviert wird.
    Bei jedem oberflächlichen Peeling sollten die Augenlider ausgespart bleiben. Die Haut ist hier sehr zart und kann leicht gereizt werden.

    Fruchtsäuren

    Fruchtsäuren sind chemisch Alpha-Hydroxy-Säuren und werden nach der englichen Bezeichung alpha-hydroxy-acids auch als AHAs bezeichnet. Die Fruchsäuren sind in Naturprodukten enthalten. Zu ihnen gehören Glycolsäure, Weinsäure, Zitronensäure, Äpfelsäure und Milchsäure. AHAs lösen die Proteinverbindungen der abgestorbenen Zellen der Hautoberfläche. Es kommt zu einer Auflockerung der Hornschicht und die einzelnen Hornschüppchen schilfern ab. Die „frischen“ Zellen kommen zum Vorschein. Die Hautoberfläche wirkt gleichmäßiger und glatter. Kleine Fältchen verschwinden nach einigen Wochen. Durch die Fruchtsäuren wird die Teilungsrate der Basalzellen erhöht. Ferner stellen Fruchtsäuren gute Feuchthaltesubstanzen dar. Konzentration von 6 – 12 %, in Einzelfällen auch höher, werden bei einem niedrigen pH-Wert von 4 in Cremeform eingesetzt. Die Anwendung kann täglich erfolgen. Bei niedrigen Konzentrationen auch 2 x täglich über einen Zeitraum von mindestens 2 bis 3 Monaten. Nach deutlicher Besserung reicht häufig eine Anwendung 2 – bis 3 mal pro Woche aus. Hautärzte wenden Fruchtsäuren teilweise in Konzentrationen von 40 bis 70 % an.
    Durch die Behandlung mit oberflächlichen Peelings wird die Hornschicht verdünnt und die Lichtschwiele, die neben der Pigmentierung einen natürlichen Lichtschutz der Haut darstellt, nimmt ab. Patienten mit oberflächlichen Peellings sollten daher auf die erhöhte Sonnenempfindlichkeit hingewiesen werden. Die Anwendung von Lichtschutzcremes ist dringend angeraten.
    Sehr wirksame, aber auch eingreifende Behandlungen der Haut sind das mitteltiefe und tiefe Peeling. Bei diesem chemischen Peeling werden die Epidermis (Oberhaut) und obere Dermis (Lederhaut) behandelt. So können im Gesicht kleine und größere Falten, Verhornungs- und Pigmentstörungen behoben werden. Die gebräuchlichsten chemischen Peelings werden mit Phenol und Trichloressigsäure durchgeführt.

    Phenol

    Phenol wird seit mehr als 20 Jahren als Standardverfahren der chemischen Schälbehandlung eingesetzt. Besonders die Baker-Gordon-Lösung hat sich etabliert und schält die Haut bis in die obere Dermis (Lederhaut). So lassen sich mittlere Falten, Lichtschäden, oberflächliche Hauttumoren, Pigmentveränderungen wie Melasma, Sommersprossen und Lentigines wirkungsvoll behandeln. Durch Phenolanwendung wird ein kontrollierter chemischer Schaden der Haut und oberen Dermis erreicht. Im Rahmen der Wundheilung wird die Oberhaut erneuert und Kollagen nachgebildet. Etwa 7 Tage nach dem Eingriff hat sich die Oberhaut erneuert. Allerdings ist die Haut stark lichtempfindlich, so dass eine direkte Sonneneinstrahlung für 6 Monate unbedingt zu vermeiden ist. Auch sollte lebenslang ein hoher UVA- und UVB-Filter eingesetzt werden.
    Die Oberlider sind bis auf die Bereiche unterhalb der Augenbrauen unbedingt von der Behandlung auszunehmen. Bei der Behandlung der Gesichtshaut besteht nur ein geringes Narbenrisiko. Durch den hohen Anteil von Haarbälgen und Talgdrüsen wird eine gute Überhäutung (Reepithelialisierung) aus diesen Hautanhangsgebilden begünstigt. Behandlungen außerhalb des Gesichts neigen zu erhöhter Narbenbildung. Auch besteht das Risiko von Hyperpigmentierungen oder stärkeren Pigmentkontrasten am Übergang von behandelter zu unbehandelter Haut. Die dickere Haut der Männer ist für die Schälbehandlung weniger gut geeignet als die dünnere Haut der Frauen.

    Trichloressigsäure

    Die Peelingverfahren mit Trichloressigsäure (TCS) sind besser steuerbar und weniger aggressiv als die Schälbehandlung mit Phenol. Eine 10- bis 25 % ige Lösung wird für die oberflächliche Schälbehandlung, eine 30 – 35 % ige für die mittlere und eine 50 – 60 % ige Lösung für die tiefe eingesetzt. Die tiefen Schälbehandlungen mit Trichloressigsäure entsprechen in ihrer Wirkung fast dem Phenol-Peeling. Wegen der besseren Steuerbarkeit läßt sich die Haut auch außerhalb des Gesichts behandeln. Auch zeigt TCS eine geringere Bleichwirkung auf das Pigment Melanin. Wegen der geringeren Aggressivität lassen sich größere Hautfalten allerdings nicht mit Trichloressigsäure behandeln. So ist auch eine geringere Kollagenneubildung der Dermis durch TCS zu erwarten. Vor dem Peeling mit Trichloressigsäure empfiehlt sich über 4 bis 6 Wochen ein milderes Peeling mit einer Creme, die 0,1 % Tretinoin und 4 % Hydrochinon enthält. Als Schälmittel können auch Salizylsäure oder Alpha-Hydroxy-Säuren eingesetzt werden.

    Nach der Behandlung mit Trichloressigsäure sollte bei oberflächlicher bis mitteltiefer und mitteltiefer bis tiefer Behandlung unbedingt ein kompletter Sonnenschutz über Monate angewandt werden. Danach empfehlen sich hochfilternde UVA- und UVB-Lichtschutzmittel zeitlebens. Zur Nachbehandlung erscheint eine Weiterbehandlung mit einer Tretinoin – Hydrochinon – Creme über 4 Wochen ratsam. Bei tiefen Peelings ist eine 2- bis 3 monatige Behandlungspause vor einem erneuten Schälverfahren einzuhalten.

    Dr. Obagis Blue Peel

    Die Methode des amerikanischen Arztes Dr. Obagi basiert auf dem Peeling mit Trichloressigsäure mit einer blauen Tinktur, die neben einem Lebensmittelfarbstoff auch ein aus der Yuccapalme gewonnenes Saponin enthält. Beliebt ist diese Methode, weil sie offenbar sicherer zu steuern ist und auch weniger Nebenwirkungen zu haben scheint als die herkömmlichen Peelings. Angeblich verspürt man während des Peelings nur ein leichtes Brennen. Der Abheilungsprozess verläuft nach diesem Peeling meist sanfter, schneller und unkomplizierter. Am 2. bis 10. Tag nach dem Peeling stellt sich – je nach Konzentration und Behandlungstiefe – Rötung, Schälung, Schwellung und auch Krustenbildung der Haut ein. Bis 6 Wochen nach dem Peeling müssen Sonnenschutzpräparate mit einem Lichtschutzfaktor von 30 und mehr eingesetzt werden, um unerwünschte Pigmentierungen zu vermeiden.

    Kryo-Peeling

    Eine Schälbehandlung der lichtgealterten Haut lässt sich auch durch das Sprühverfahren mit flüssigem Stickstoff erreichen. Der Behandlungserfolg dürfte dem einer oberflächlichen bis mitteltiefen Schälbehandlung mit Trichloressigsäure entsprechen. Die Kryo-Therapie ist bisher aber noch kein Standardverfahren.