Hautpflege

Unsere Haut ist Tag für Tag einer Vielzahl belastender Umweltfaktoren ausgesetzt. Dazu gehört vor allem die UV-Strahlung, die auch in geringen Dosen bei bewölktem Himmel zu Schäden der Desoxyribonukleinsäure (DNS), der Erbsubstanz der Hautzellen, führt. Weitere Umwelteinflüsse sind grobe Verschmutzungen durch Partikel von „Schwebstäuben“, z. B. durch Industrieabgase. Diese Art von Verschmutzung ist jedoch in den letzten Jahrzehnten durch bessere Abgasfilterung verringert worden. Hohe Belastungen für die Haut bedeuten auch die Luftverschmutzung durch verschiedenste Kohlenwasserstoffe, wie z. B. durch die Abgase von Dieselfahrzeugen.

Jeder Hauttyp verlangt letztendlich eine konsequente Hautpflege, um den „optimalen“ Hautzustand stabil zu halten und ungünstige Einflüsse auszugleichen. Während der kalten Jahreszeit wird durch die Außentemperatur die Talgproduktion gedrosselt. Auch ist die geheizte Luft im Winter trockener als die im Sommer, so dass die Haut vermehrt Feuchtigkeit nach außen abgibt. Im Sommer hingegen wird bei hohen Temperaturen die Feuchtigkeitsabgabe über die Haut gesteigert und durch das Schwitzen der Hydrolipidfilm auf der Hautoberfläche stark verringert. Auch kann bei Hautreinigung mit Intensivpflegeprodukten und teils stark alkoholhaltigen Gesichtswässern die Haut übermäßig austrocknen. Ziel der täglichen Hautpflege muss es sein, den wichtigen Hydrolipidfilm auf der Hautoberfläche zu erhalten bzw. wiederherzustellen.

In den Sommermonaten empfiehlt sich der regelmäßige Einsatz von Lichtschutzpräparaten. Das Sonnenlicht kann nicht nur Hautkrebs hervorrufen, sondern macht 90 % der kosmetisch störenden Hautalterung aus. Der frühzeitige, regelmäßige Einsatz von Lichtschutzpräparaten kann einen Großteil der Hautalterung verhindern bzw. stark verzögern (siehe „Haut und Sonne“). Die Lichtschutzfaktoren sollten im Bereich von 15 bis 20 liegen. Präparate mit Breitspektrumfilter sind zu bevorzugen, da sie auch vor UVA-Strahlen schützen, die im wesentlichen für die Hautalterung verantwortlich sind.

Aufgrund der Umweltbelastung ist eine gründliche Hautreinigung 2 mal täglich sinnvoll. Viele Hautreinigungsmaßnahmen können allerdings den Säureschutzmantel der Haut beeinträchtigen. Unter Säureschutzmantel (Hydrolipidfilm) der Haut versteht man ein kompliziertes Gleichgewicht von Fettsäuren auf der Hautoberfläche, der einen Schutz gegenüber Umwelteinflüssen darstellt. Diese Fettsäuren sorgen auch für den sauren pH-Wert unserer Hautoberfläche, der z. B. an der unbedeckten Haut der Stirn zwischen 5,4 – 5,9 beträgt. Als Idealwert für die Haut wird ein pH-Wert von 5,5 angesehen. Die Hautreinigung sollte daher mit pH-neutralen Waschlotionen oder Seifenfeststücken erfolgen. Alternativen für trockene und empfindliche Haut bieten die Reinigungsmilch und Syndets. Ergänzt werden kann diese gründliche Hautreinigung durch bevorzugt alkoholfreie Gesichtswässer. Ein gutes Gesichtswasser normalisiert zum Teil den durch den Kontakt mit dem alkalischen Leitungswasser veränderten pH-Wert der Haut und enthält in der Regel hautberuhigende Zusätze. In Einzelfällen, insbesondere bei fetter Haut, können auch alkoholische Gesichtswässer sinnvoll sein.

Nach der schonenden Hautreinigung morgens und abends ist eine konsequente Hautpflege sinnvoll. Die Auswahl dieser Präparate richtet sich nach dem Hauttyp, aber auch nach der Lebensweise und beruflichen Belastung. Im wesentlichen werden 4 Hauttypen unterschieden. Einerseits die fettige seborrhoische Haut, die auch zu Hautunreinheiten oder Akne neigt, andererseits die trockene, leicht schuppende und frühzeitig zu Falten neigende Haut. Dazwischen liegt der sehr seltene, ideale Hauttyp (Normalhaut), der weder Unreinheiten noch Austrocknungszeichen aufweist. Häufig finden sich auch Mischbilder (Mischhaut) mit einer Neigung zu fettiger und zu unreiner Haut im Bereich von Stirn, Nase und Kinn, der sogenannten T-Zone, kombiniert mit trockener Haut in den seitlichen Wangenpartien.

Normale Haut

Für die normale Haut empfiehlt sich für Tag und Nacht die Verwendung einer Öl-in-Wasser- Emulsion (O/W-Emulsion). Ein gewisser Ölanteil ist wichtig, um eine schnelle Verdunstung des Wassers aus der Haut zu verhindern. Bei einem zu hohen Wasseranteil der Pflegecremes gehen die körpereigenen Feuchthaltefaktoren zu schnell verloren. Das Spannungsgefühl der Haut ist daher ein guter Indikator für den Verlust des Hydrolipidfilms. Nur bei starkem Schwitzen und in den Wintermonaten ist die Fettphase in den O/W-Emulsionen zu erhöhen. Eventuell sind auch leichte Wasser-in- Öl-Emulsionen (W/O-Emulsionen) anzuwenden.

Mischhaut

Im Gegensatz zur normalen Haut sind bei der Mischhaut die T-Zone fetter und die seitlichen Wangenpartien trockener. In den meisten Fällen reichen zur Pflege der Mischhaut die Pflegeprodukte für die normale Haut aus. Nur selten muss die Haut in der T-Zone durch Cremegele und leicht alkoholische Gesichtswässer „entfettet“ und die seitlichen Wangenpartien mit einer Gesichtswasser zur Normalisierung des pH-Werts eingesetzt werden. Die Normalisierung des pH-Werts ist wichtig, weil ein saurer pH-Wert Hautunreinheiten in der fettigen T-Zone vorbeugt. Zur Hautpflege eignen sich tagsüber – wie auch beim seborrhoischen Hauttyp – Wasser-in-Öl-Emulsionen, evtl. mit etwas höherem Fettgehalt. In den Sommermonaten empfehlen sich auch Emulsionen mit Lichtschutzfaktoren der Stärke 15 bis 20. Zur Pflege nachts kommen leichte Öl-in-Wasser-Emulsionen in Frage. Bei beginnenden Zeichen der Hautalterung können Fruchtsäuren in Cremegrundlage eingesetzt werden. Falls diese zu Hautreizungen in Form von Rötung und Schuppung im Bereich der trockenen Wangenpartien führen, kommt alternativ auch ein Vitamin-A-Säureabkömmling, das Retinaldehyd, in Frage. Retinaldehyd fördert – allerdings schwächer als Vitamin-A-Säure und Fruchtsäuren – die Kollagenbildung in der Lederhaut und sorgt außerdem für eine erhöhte Wasserbindung im Bindegewebe der Lederhaut. So werden feine Fältchenbildungen reduziert.

Fettige Haut

Bei der fettigen, eher grobporigen Haut werden durch die Reinigung und Hautpflege überschüssiges Fett gebunden und durch leichte desinfizierende, gering alkoholhaltige Reinigungsmittel Infektionen der Haarbälge (Follikel) verhindert. Zur Gesichtspflege für Tag und Nacht sind Öl-in- Wasser-Emulsionen (O/W-Emulsionen) mit geringem Fettgehalt oder sogenannte Cremegele ratsam. Durch höhere Zugabe von Emulgatoren in diese Pflegeprodukte kann der überschüssige Talg emulgiert und von dem Pflegepräparat aufgenommen werden. So verliert die Haut ihren fettigen Glanz. Bei Hautunreinheiten werden für den Tag häufig getönte Cremes mit Pigmenten wie Titandioxyd oder Eisenoxyden eingesetzt. Bei gleicher Pflegewirkung wie ungetönte Präparate decken die getönten Tagescremes Hautunreinheiten ab und geben der Haut ein insgesamt frischeres Aussehen.
Bei unreiner Haut mit Bildung von Mitessern (Komedonen), Knötchen (Papeln) und Eiterbläschen (Pusteln) ist nur ein geringer Fettanteil in der O/W-Emulsion nötig. Durch den zusätzlichen Einsatz von Adstringentien und Antiseptika lassen sich die Entzündungen vermindern. Als Adstringentien werden Hamamelis-Extrakte eingesetzt, die die fette Haut mit erweiterten Poren positiv beeinflussen. Die Antiseptika wie Chlorhexidindigluconat und Triclosan vermindern die Besiedelung der Mitesser mit Keimen. Gut spricht die fette Haut mit Neigung zur Grobporigkeit auch auf Peeling mit Fruchtsäuren (1 bis 2 x wöchentlich) an. Die Fruchtsäuren führen zu einer Ablösung von leichten Verhornungsstörungen, die die Mitesserbildung begünstigen und beugen ferner auch ersten altersbedingten Faltenbildungen vor. Pflegepräparate mit Fruchtsäuren lassen die Haut frischer und besser durchblutet aussehen, da die oberflächlichen Hornschuppen entfernt werden.

Bei deutlicher Mitesserbildung und Akne siehe auch unter „Hautkrankheiten“, speziell „Akne“.

Trockene Haut

Fettarme und trockene Haut reagiert wegen des mangelnden Fett- und Feuchtigkeitsgehalts besonders stark auf innere und äußere Einflüsse. Bei schonendster Hautreinigung wird die Haut schon entfettet. Häufig genügt die Hautreinigung mit lauwarmem Wasser oder einer Reinigungslotion. Reinigungslotionen sind milchartige Produkte mit rückfettender Wirkung. Da Schmutzpartikel fettlöslich sind, erreicht man eine gute Hautreinigung, ohne die Haut zu entfetten und auszutrocknen. Anschließend kann zur weiteren Hautreinigung und Stabilisierung des pH-Wertes ein alkoholfreies Gesichtswasser eingesetzt werden. Oberstes Gebot muss bei trockener Haut die Wiederherstellung des Schutzfilms mit Fett und Feuchthaltefaktoren sein. Zur Pflege eignen sich Wasser-in-Öl-Emulsionen oder Öl-in-Wasser-Emulsionen mit hohem Lipidanteil. Durch den hohen Fettanteil wird ein Fettfilm gebildet, der das übermäßige Verdunsten von Wasser verhindert. Zur Reizlinderung und Beruhigung werden den Pflegepräparaten häufig Allantoin, Bisabolol (ein Kamilleextrakt) und Panthenol zugesetzt. Zu den Feuchthaltefaktoren zählen Aminosäuren wie Glycin, auch Pyrrolidon, Karbonsäure, Harnstoff, Milchsäure, mehrwertige Alkohole wie Glycerol, Propylenglycol und Sorbit, seltener Zucker wie Inosit, Glucose und Fruktose und Hyaloronsäure.

Einen neuen Ansatz zur Regeneration trockener, empfindlicher Haut bietet ein Creme-Typ mit sogenannter Derma- Membran- Struktur (DMS). Diese mit High- Tech- Methoden produzierte Creme hebt sich strukturell von traditionell eingesetzten O/W- und W/O-Emulsionen ab und ist der natürlichen Lipidbarriere der Haut nachempfunden. Die Creme enthält mit Phospholipiden, Ceramiden, Squalan, Phytosterolen und Triglyceriden ausschließlich hautverwandte Lipide pflanzlichen Ursprungs, die aufgrund der hautanalogen Lamellen-Struktur in tiefere Schichten der Epidermis transportiert werden. Ein weiterer Vorteil der DMS-Creme ist der Verzicht auf künstliche Emulgatoren. So können sich Emulgatoren aus herkömmlichen Pflege-Cremes (O/W- oder W/O-Typ) in der Haut anreichern und beim Waschen ein Herauslösen hauteigener Fette bewirken. In der DMS-Creme wird bewusst auf Paraffine und Silikone verzichtet. Diese Substanzen können die Poren verstopfen und bei regelmäßiger Anwendung durch den permanenten Okklusiveffekt (Verschlusseffekt) die Eigenregeneration der Lipidbarriere verhindern.

Verschiedene Strukturen im elektronenmikroskopischen Vergleich:

O/W-CremeLipidbarriere der HautDMS-Creme
O/W-CremeLipidbarriere der HautDMS-Creme

 

Alternde Haut

Mit dem Altern der Haut verringern sich die Schweiß- und Talgdrüsensekretion und die Produktion der körpereigenen Feuchthaltefaktoren. Der Hydrolipidmantel der alternden Haut wird nur noch vermindert gebildet und überzieht lückenhaft die Hautoberfläche. Die Falten- und Runzelbildungen vergrößert die Hautoberfläche und erhöht die Abdunstung von Wasser und somit die Trockenheit der Haut.

Auf die Vorgänge des Hautalterns, die Vorbeugung, Pflegemaßnahmen und Korrekturmöglichkeiten wird im Kapilel „Altern“ ausführlich eingegangen.