Lederhaut (Dermis)

Die Lederhaut dient als Dehnungsschicht der Haut und umschließt die Blutgefäße, Hautanhangsgebilde (Talg-, Schweiß- und Duftdrüsen, Haar- und Nagelanlagen), die  Nerven und Hautsinnesorgane. Die Lederhaut liegt unter der Oberbaut und der verbindenden Basalmembran und stellt gleichsam das Fundament für die Oberhaut dar. Sie besteht überwiegend aus der Grundsubstanz und einem dichten Geflecht von Bindegewebsbündeln (Kollagenfasern) und elastischen Fasern. Das Kollagen macht etwa 18 bis 30 % des Volumens der Lederhaut aus. Die Kollagenfasern garantieren die Dehnbarkeit und die elastischen Fasern das Spannungsvermögen der Haut. Die Haut ist elastisch und kann je nach Lokalisation  um 10 bis 50 % aufgedehnt werden. Beim Eindrücken der Haut fließt die Grundsubstanz zwischen den Kollagenfasern ab.

Die Papillarschicht (Stratum papillare) stellt die obere Zone der Lederhaut dar und besteht aus lockerem Bindegewebe, das nach oben zur Grenzschicht (Basalmembran) und Oberhaut zapfenförmige Vorwölbungen bildet. Durch diese Vorwölbungen (Bindegewebspapillen) wird die Kontaktfläche zwischen Oberhaut und Lederhaut vergrößert und die Ernährung der gefäßlosen Oberhaut verbessert. Die Bindegewebspapillen dienen nicht der Verankerung der Oberhaut mit der Lederhaut. Diese erfolgt allein durch die Basalmembran und die kollagenen Bindegewebsfasern der Lederhaut.

Die tiefere und dickere der beiden Lederhautschichten, die Geflechtschicht (Stratum reticulare), besteht aus kräftigen Kollagenfaserbündeln, die sich miteinander verweben und in bestimmten Winkeln überkreuzen. Durch Veränderung dieser Winkelstellung kommt es zur Dehnung der Haut ohne Änderung der Reißfestigkeit. Für die Geschmeidigkeit der Haut sorgen die elastischen Fasern durch Rückstellung der Kollagenfasern nach Dehnung.

Die Grundsubstanz ist für die Wasserspeicherung der Haut von großer Bedeutung. Sie hat die Fähigkeit, Wasser und Elektrolyte zu speichern, und dient als lebenswichtiges Wasserdepot. Das Wasser liegt im Bindegewebe der Haut fast ausschließlich in gebundener Form vor und stammt aus dem Blut.

Blut- und Lymphgefäßsystem

Für die Aufrechterhaltung der Gewebe- und Organfunktion ist ein dauernder Austausch von Nährstoffen, Stoffwechselprodukten und Substanzen der Zellregulation zwischen Blutgefäßen und Zellen erforderlich. Das Blut zirkuliert in einem geschlossenen System elastischer Röhren, dem Blutgefäßsystem. In den Arterien wird sauerstoff- und nährstoffreiches Blut vom Herzen transportiert und über immer dünner werdende Gefäße in kleinste Kapillaren verteilt. Durch die halbdurchlässigen Wände der Kapillaren werden Sauerstoff und Nährstoffe abgegeben und Kohlendioxid und Schlackenstoffe aufgenommen. Diese werden über zunehmend sich vergrößernde Gefäße (Venen) mit dem Blut zum Herzen zurückgeführt.
Das Blutgefäßsystem der Haut besteht aus zwei netzartigen Strukturen, die nach oben zwischen der Papillarschicht und Geflechtschicht der Lederhaut und zur Tiefe an der Grenze zum Fettgewebe der Unterhaut liegen. Das tiefe und das oberflächliche Gefäßnetz sind durch senkrecht aufsteigende Gefäße verbunden. Von dem oberflächlichen Gefäßnetz dringen kleine Endgefäße (Kapillaren) bis unmittelbar unter die Oberhaut. Durch diese Kapillaren wird die Ernährung des Gewebes gewährleistet. Die Gesamtlänge der Kapillaren der Haut beträgt ca. 240 km bei einer Gesamtlänge der Blutgefäße des Körpers von 1440 km.

Das Blutgefäßsystem garantiert nicht nur die Ernährung der Zellen und des Gewebes sondern reguliert auch den Wärmehaushalt und unterstützt die Blutdruckregulation.

Bei Kälte verengen sich die oberflächlichen Gefäße, wodurch die Wärmeabgabe über die Gefäße verringert wird. An heißen Tagen kann die Körperwärme über die weitgestellten Gefäße abgegeben werden. 75 % der überflüssigen Wärme wird über die Blutgefäße der Haut abgeleitet. Die Wärmeabgabe über die Schweißdrüsen durch Wasserverdunstung beträgt 25 %. Der Wärmehaushalt wird in einem komplexen Zusammenspiel zwischen den Wärmerezeptoren der Haut, dem Gehirn, den Blutgefäßen und den Schweißdrüsen reguliert.

Die Flüssigkeit, die unter anderem durch die Wand der halbdurchlässigen Kapillaren in das Gewebe gelangt, wird über das Lymphgefäßsystem abtransportiert. Die Lymphgefäße laufen im wesentlichen parallel zu den Blutgefäßen. Im Gegensatz zu den Kapillaren des Blutkreislaufes beginnt das Lymphgefäßsystem mit blind endenden Lymphkapillaren. Die Kapillaren leiten die Flüssigkeit aus den Gewebsspalten ab. Durch die Vereinigung vieler kleiner Kapillaren entstehen größere Lymphgefäße, die an Umfang und Wandstärke zunehmen und herznah in die großen Venen münden. Neben dem Ableiten von Gewebsflüssigkeit (normal: ca. 2 Liter pro Tag) ist das Lymphgefäßsystem mit den Lymphknoten, Lymphorganen, Lymphozyten und anderen spezifischen Zellen an der körpereigenen Abwehr beteiligt.

Nervensystem

Die Erlebnisfähigkeit des Menschen basiert auf dem Zusammenspiel des Nervensystems der Haut und bestimmter Bezirke des Gehirns. Umschriebene Hautareale lösen Lustempfindungen oder auch Abwehrreaktionen aus. Die ersten Eindrücke, die der Mensch bei der Geburt erfährt,werden über die Haut vermittelt. Im Mutterleib wird bei einer Größe von 2,5 cm bereits der Tastsinn entwickelt. Auch nach der Geburt sind die Signale der Haut von größter Bedeutung für das Wohlempfinden und Überleben des  Säuglings.

Die Aufgabe als Sinnesorgan nimmt die Haut mit einem dichten Geflecht von Nerven, sensiblen Nervenfasern mit feinsten Aufzweigungen und besonders ausgebildeten Nervenendapparaten in allen Schichten der Lederhaut, z.T. auch der Unterhaut, wahr. Druck, Erschütterung, Temperatur, Schmerz und Juckreiz werden über spezielle Aufnahmeorgane und Nerven zum Rückenmark, Hirnstamm und weiter zur Großhirnrinde geleitet.
In einem Quadratzentimeter Haut finden sich bis zu 2 Wärme-, 2 Kälte-, 25 Druck- und 200 Schmerzemfänger.

Die Merkel-Zellen liegen in der Keimschicht der Oberhaut und dienen als Druckpunkt beim Tasten. Die Meissner – Tastkörperchen, unmittelbar unter der Oberhaut,vermitteln Druck und die Vater-Pacini-Lamellenkörperchen in der unteren Lederhaut und oberen Unterhaut Vibration. Beim Säugling und Kleinkind sind die Tastpunkte besonders zahlreich an den Lippen und der Zunge, beim Erwachsenen an den Fingerspitzen. Durch die Tastrezeptoren erkennen wir Gegenstände. So nehmen die Tastkörperchen eine Eindellung der Haut ab 0,01 mm und Gewichtsunterschiede von 4 mg wahr. Dies ermöglicht Blinden, die Blindenschrift zu lesen und mit den Fingerspitzen zu “sehen”.

Dicht unter der Oberhaut liegen die Kälterezeptoren (Krause-Kältekörperchen). Das Erregungsmaximum dieser Kältepunkte liegt zwischen 17 und 36° C. In der mittleren Lederhaut befinden sich die Wärmerezeptoren (Ruffini-Wärmekörperchen) mit einem Erregungsmaximum zwischen 40 und 47° C. Bei Temperaturen über 45° C signalisieren die Wärmerezeptoren Schmerz anstelle eines Wärmeempfindens. Die Temperaturreize der Haut werden im Gehirn mit der Körpertemperatur verglichen und von dort über Nerven das Blutgefäßsystem reguliert. Die Gefäße erweitern sich bei Wärme und verengen sich bei Kälte.

Schmerz und Juckreiz, der eng mit einem Schmerzempfinden verbunden sein kann, werden über freie Nervenendigungen von markarmen (Typ A) und marklosen (Typ C) Nervenfasern übermittelt. Die dicken, schnellen Nerven (Typ A) erzeugen einen plötzlichen Schmerz, der meist Reflexe auslöst. Die dünnen, langsamen Nerven (Typ C) leiten einen dumpfen, chronischen Schmerz und signalisieren Störungen des Körpers. Die meisten Funktionen der Haut werden im feinen Zusammenspiel mit den Nerven des vegetativen Nervensystems gesteuert.

Die Haare können über die feinen Nervenfasern der Haarscheide Berührung übermitteln, wie dies auch die Finger- und Fußnägel bei Druck über Tastkörperchen vermögen. Haare, Finger- und Fußnägel dienen auch als Tastorgane.

Der Gasaustausch der Haut, die “Hautatmung”, mit der Aufnahme von Sauerstoff und Abgabe von Kohlendioxid ist sehr gering. Maximal 2 % des Gasaustausches erfolgen durch die Haut.

Bei der Produktion von Vitamin D erfüllt die Haut die Aufgaben eines Stoffwechselorgans. Aus Vorstufen des Cholesterins wird das Vitamin D, ein wichtiger Baustein für den Kalzium- und Knochenstoffwechsel, gebildet. Bei ausreichender Sonneneinwirkung kann der gesunde Erwachsene seinen Bedarf (5 mg / Tag) durch Eigenproduktion decken. Hierfür genügen 20 – 30 Minuten Tageslicht auf Gesicht und Hände