Immunsystem

Die Haut stellt unsere Grenzfläche zur Umwelt dar und ist gleichsam der Vorposten des Immunsystems. Das Immunsystem organisiert die Abwehr- und Schutzmechanismen des Körpers. Der Körper wehrt sich gegen den Feind, der den Schutzmantel der Haut zu durchdringen versucht. Die rechtzeitige Abwehr hängt also entscheidend von der Funktionsfähigkeit der Haut ab. Entzündungs- und Abwehrreaktionen arbeiten zusammen, um den Körper von außen und auch von innen z.B. gegen Tumorzellen zu schützen. Die Entzündungsreaktionen reparieren durch ein kompliziertes Zusammenspiel von Gefäßprozessen, Botenstoffen und Entzündungszellen Gewebsdefekte und unterstützen die Abwehrreaktion des Immunsystems.

Die Haut ist ständig biologischen, chemischen und physikalischen Schadstoffen aus der Umwelt ausgesetzt. Wesentliche Aufgabe des Immunsystems der Haut ist es, diese schädigenden Einflüsse abzuwehren oder unschädlich zu machen. Zu den biologischen Schadstoffen gehören Viren, Bakterien, Pilze und Parasiten und zu den physikalischen Sonnenstrahlen, Hitze und Kälte. Chemische Substanzen können als Kontaktallergene spezifische Überempfindlichkeitsreaktionen auslösen. Die immunologischen Reaktionen wehren jedoch nicht nur Schadstoffe ab, sondern verursachen auch Überempfindlichkeitsreaktionen wie Allergien und Autoimmunkrankheiten, also gegen körpereigene Substanzen gerichtete Abwehrreaktionen. Häufige Allergien sind der Heuschnupfen, die Kontaktallergie oder auch Nahrungsmittel- und Medikamentenunverträglichkeiten.

Das Immunsystem der Haut besteht aus verschiedenen Zellen und Botenstoffen, die an der Regulation der Schutz- und Überempfindlichkeitsreaktonen zwischen diesen Zellen beteiligt sind. Zu den Zellen gehören die Antigen-präsentierenden Langerhans-Zellen und die T- und B-Lymphozyten, spezifische weiße Blutkörperchen.

Die Antigen-präsentierenden Langerhans-Zellen machen etwas 3-5 % der Zellen der Oberhaut aus und liegen in den mittleren Zelllagen der Oberhaut. Die Langerhans-Zellen können Krankheitserreger oder chemische Substanzen erkennen und aufnehmen. Sie wandern durch die Oberhaut in die Lederhaut und dort über das Lymphsystem zu den peripheren Lymphknoten. In den Lymphknoten wird das Fremdmaterial vernichtet oder Bruchstücke dieses Schadstoffes werden durch die Langerhans-Zellen den T-Lymphozyten präsentiert. Dadurch werden die T-Lymphozyten aktiviert und schütten eine Reihe von Botenstoffen, die Zytokine, aus. Die Zytokine steuern Wachstum, Funktion und Differenzierung von Zellen. Die so aktivierten T-Lymphozyten teilen sich und werden speziell auf die Abwehrreaktion des Antigens vorbereitet. Bei erneutem Kontakt mit dem Antigen reagieren sie noch wirksamer und schneller. Die T-Lymphozyten präsentieren die Antigene (Bruchstücke von Schadstoffen), mit denen sie reagiert haben, auch den B-Lymphozyten und aktivieren diese. Die B-Lymphozyten bilden dann lösliche Abwehrkörper, die Immunglobuline, und geben sie in das Blut ab. Die Immunglobuline erkennen und binden das Antigen (Fremdsubstanz) und leiten Aufräumvorgänge ein.

Die spezifischen Lymphozyten und Immunglobuline gelangen über den Blutkreislauf zur Haut zurück. Je früher die Abwehr erfolgt, umso geringer ist der Schaden für den Körper. Die Informationen über das Antigen bleiben bei Allergien lebenslang in spezifischen Immunzellen (“Gedächtniszellen”, “memory cells”) gespeichert. Bei erneutem Kontakt mit dem Antigen wird z.B. auf Nickel im Modeschmuck sofort eine Unverträglichkeitsreaktion der Haut und z.B. bei Pollenflug eine Allergie der Schleimhäute und Atemwege ausgelöst.

Für die Haut sind zwei Typen der vier immunologischen Reaktionen von besonderer Bedeutung.

Der Soforttyp (Typ 1, humorale Allergie) tritt innerhalb von Sekunden bis Minuten auf, evtl. erneut nach 4-6 Stunden. Er wird bei Nesselfieber (Urticaria) und Allergien der Atemwege (Heuschnupfen, Asthma) beobachtet. Auslöser: z. B. Insektenstiche (Biene, Wespe), Pollen, Nahrungsmittel, Medikamente.

Der Spättyp (Typ 4, verzögerter Typ, zellvermittelte Allergie) tritt nach 12-72 Stunden auf, vorausgesetzt, daß zuvor eine Sensibilisierungsphase über 5-21 Tagen erfolgt ist. Auslöser: z.B. Kontaktallergene (Nickel im Modeschmuck), Tuberkulin, Arzneimittel.