Haare

Die Behaarung ist individuell, das heißt erbmäßig festgelegt und geschlechtsgebunden. Haare und Nägel werden aus “hartem” Keratin gebildet und die Hornschicht der Oberhaut aus “weichem”. Die Haare bedecken fast den ganzen Körper und fehlen nur an den Lippen, Handtellern, Fußsohlen und Teilen der äußeren Genitalien. Geschlecht, Alter und Rasse beeinflußen die Behaarung. Auch bestehen individuelle Unterschiede in Farbe, Länge und Durchmesser der Haare und Geschwindigkeit des Haarwachstums.

Im Mutterleib bilden sich ab dem 4. Monat kurze, dünne und nicht pigmentierte Haare (Flaum- bzw. Lanugohaare), die nach der Geburt ab dem 6. Monat durch feine, weiche, meist pigmentlose Wollhaare (Vellushaare) ersetzt werden. Die Behaarung mit Terminalhaaren, die lang, dick und pigmentiert sind, fängt nach der Geburt am Kopf an. Vor der Pubertät finden sich Terminalhaare nur auf dem Kopf, im Bereich der Augenbrauen und Wimpern. In der Pubertät erfolgt bei beiden Geschlechtern unter dem Einfluß der Androgene (Hormone des Mannes) der Wechsel der Vellus- in Terminalhaare, zuerst im Bereich der Scham, gefolgt von Achseln, Unterschenkeln, Oberschenkeln, Unterarmen, Bauch, Gesäß, Rücken, Armen und Schultern.

Die Haare sind normalerweise gruppenweise angeordnet. Es besteht eine Schrägstellung der Haare. Bei Änderung dieser Schrägstellung entstehen “Wirbel”. Das Wachstum eines jeden Haares unterliegt einem Rhythmus. Dieser erfolgt weder in den selben Gebieten noch in allen Regionen des Körpers gleichzeitig. Von den 100.000 – 150.000 Kopfhaaren fallen etwa 100 täglich aus. Die Kopfhaare wachsen durchschnittlich 1 cm im Monat. Die Lebensdauer der Kopfhaare beträgt 2 bis 6 Jahre, die der Wimpern 3 bis 6 Monate. So erklärt sich der tägliche Haarausfall, der bei der Haarwäsche verstärkt, am Tag danach geringer ausgeprägt ist.

Die Gesamtzahl der Haaranlagen beim Menschen beläuft sich auf 5 Millionen, 100.000 bis 150.000 tragen zur Kopfbehaarung bei. Der männliche Bart besteht etwa aus 25.000 Terminalhaaren. Frauen haben eine gleiche Anzahl Haaranlagen, aber nur die feinen Wollhaare (Vellushaare). 600 Augenbrauenhaare und über 400 Wimpern schützen unsere Augen vor Schweiß und Schmutz. Bei der Frau sind 65 % der Körperhaare Wollhaare, beim Mann 10 %.

Jeder Wachstumszyklus der Kopfhaare umfaßt drei Phasen. Nach der aktiven Wachstumsphase von 2 bis 6 Jahren (Anagenphase) erfolgt eine Übergangsphase (Katagenphase) von wenigen Tagen bis 2 Wochen und anschließend die Ruhephase (Telogenphase) mit dem Verlust des Haares nach 3 bis 4 Monaten. Dem abgestoßenen Haar (Kolbenhaar) folgt das neue Haar. Etwa 13 % aller Kopfhaare sind in der Ruhephase und nur 1 % in der Übergangsphase. Das Wachstum der Haare und Barthaare wird durch das Schneiden der Haare bzw. die Rasur nicht beeinflußt.

Aufbau Haare

Die Haare sind dünne, verhornte Strukturen aus Keratin, die aus einer Einstülpung der Oberhaut, dem Haarfollikel, hervorgehen. Dieser trichterförmige Follikel reicht bis in die Lederhaut und Unterhaut. Das Haar besteht aus einem verhornten Haarschaft mit einer epithelialen (von der Oberhaut abstammenden) Haarwurzelscheide und der Haarwurzel, die mit der Haarzwiebel auf einer bindegewebigen Haarpapille sitzt. Im Bereich der Haarzwiebel teilen sich die Zellen und bilden den Haarschaft, der auf seinem Weg zur Hautoberfläche zunehmend intensiver verhornt. Der Haarschaft besteht aus der Rinde (Cortex), dem meist nicht durchgehend vorhandenden Mark (Medulla) und der äußeren Schuppenschicht (Cuticula). Wollhaare sind marklos. In den unteren Zellage der Haarzwiebel (Matrixzellen) liegen die Pigmentzellen (Melanozyten), die für die Haarfarbe verantwortlich sind. Haarpapille, Haarzwiebel und die umgebende Bindegewebsscheide bilden den Haarfollikel, der von Blutgefäßen versorgt wird.

Jedes Haar steckt in einer trichterförmigen Wurzelscheide, in die eine Talgdrüse mündet. Unterhalb der Talgdrüse, auf der schräg geneigten Seite, setzt der Haarmuskel (Musculus arrector pili) an, der schräg aufwärts zur Lederhaut – Oberhautgrenze verläuft.

Beim Zusammenziehen des Haarmuskels, z. B. bei Kälte, richtet der Muskel das schräg verlaufende Haar in eine senkrechte Stellung auf (“es sträubt sich”). Durch den gleichzeitigen Zug des Muskels auf die Oberhaut kommt es zu einer kleinen Delle (“Gänsehaut”). Durch die Kontraktion des Muskels wird die Talgdrüse, die zwischen dem Haarmuskel und der Wurzelscheide liegt, ausgedrückt und scheidet so Talg an die Oberfläche aus. Der Ausführungsgang der Talgdrüse verläuft mit dem Haar an die Oberfläche.

Die bindegewebige Haarwurzelscheide enthält ein Netz feiner empfindungstragender Nervenfasern. Da diese Nerven durch geringste Bewegung des Haares erregt werden, dienen die Haare auch als Tastorgane.

Mit Ausnahme der roten Haare wird die Haarfarbe vom Pigmentgehalt (Melanin) des Haars bestimmt. Die unterschiedliche Haarfarbe ergibt sich aus den vielen Farbnuancen des Eumelanins oder Phäomelanins. Bei grauen Haaren fehlt das Pigment. Erlischt die Produktion von Pigment oder kommt es zur Einlagerung von Luftbläschen in die Haare, so erscheinen sie grau bis weiß. Frühes Ergrauen der Haare ist meist erblich bedingt.