Bösartige Hauttumoren

Zu den bösartigen Hauttumoren der Oberhaut und angrenzenden Schleimhäute zählen das Basalzellkarzinom, das Plattenepithelkarzinom und das maligne Melanom.

In Westeuropa erkranken jedes Jahr pro 100.000 Einwohner 20 Personen an Basalzellkarzinomen, 12 an Plattenepithelkarzinomen und 14 an malignen Melanomen. In den sonnenreichen Ländern wie Australien und den Südstaaten der USA liegen die Erkrankungsfälle für diese Tumoren um das Zehn- bis Zwanzigfache höher. Insgesamt nimmt die Erkrankungshäufigkeit besonders beim malignen Melanom dramatisch zu. Seit 1970 wird weltweit alle 10 Jahre fast eine Verdoppelung beobachtet. Aktuell wird geschätzt, daß 1 von 75 Amerikanern am malignen Melanom erkrankt.

Das Haupterkrankungsalter für das Basalzellkarzinom und Plattenepithelkarzinom liegt zwischen dem 60. und 80. Lebensjahr, für das maligne Melanom in den mittleren Lebensjahren.

In Westeuropa besteht beim Basalzellkarzinom keine Geschlechtsbevorzugung. Am Plattenepithelkarzinom erkranken Männer doppelt so häufig wie Frauen und am malignen Melanom Frauen etwas häufiger als Männer. In den sonnenreichen Ländern leidet das männliche Geschlecht um 20 – 100 % häufiger am Basalzellkarzinom und 2 – bis 3 mal häufiger am Plattenepithelkarzinom als das weibliche. Beim malignen Melanom wird keine Geschlechtsbevorzugung beobachtet.

Ziel jeder Aufklärung muß es sein, die bösartigen Tumoren der Haut, die ja „sichtbar“ sind, in den frühen Stadien zu entdecken und zu behandeln. Die rechtzeitige Diagnose und Behandlung jedes Hautkrebses bedeutet Heilung!

Basalzellkarzinom

Das Basalzellkarzinom, auch Basaliom genannt, ist der häufigste, bösartige Hauttumor. Es entwickelt sich aus den Basalzellen der Oberhaut, wächst in der Regel nur örtlich aggressiv und zerstörend und bildet so gut wie nie Tochtergeschwülste (Metastasen). Wegen des lokal zerstörenden Wachstums muß das Basaliom konsequent behandelt werden, da es sonst schrankenlos in Haut-, Unterhautfettgewebe, Knorpel und Knochenstrukturen einwächst.

Basalzellkarzinom

Hellhäutige, sonnenempfindliche Menschen (Hauttyp I und II) bilden weniger schützendes Pigment (Melanin) und haben somit ein erhöhtes Risiko, an einem Basaliom zu erkranken. Der wichtigste Risikofaktor ist jedoch die chronische Lichtbelastung der Haut „über die Lebensjahre“. Anders als beim malignen Melanom („schwarzer Hautkrebs“) sind nicht die Sonnenbrände der wesentliche prädisponierende Faktor sondern die Gesamtbelastung der Haut mit Sonnenlicht. Eine weitere Ursache für die Entstehung von Basaliomen war früher die Behandlung einer Schuppenflechte oder auch anderer Erkrankungen mit arsenhaltigen Tinkturen und die Verwendung arsenhaltiger Spitzmittel im Weinbau. Jahrzehnte später entwickeln sich bei diesen Menschen gehäuft Basaliome oder Hauttumoren wie aktinische Keratose, Morbus Bowen und Plattenepithelkarzinom.

Basalzellkarzinome können unterschiedliche Wachstumsformen haben. Eine häufige Form im Gesicht ist ein glänzendens, hautfarbendes Knötchen mit auffällig erweiterten Blutgefäßen. Die Tumoren zerfallen im Zentrum oft auch geschwürig und sind dann von Krusten bedeckt. Andere Basaliome sind flach, liegen also im Hautnivau, sind rötlich, leicht schuppend und haben einen glänzenden Randsaum. Gelegentlich können sie auch dunkelbräunlich pigmentiert sein.

Wegen der fehlenden Metastasierung genügt in der Regel eine operative Entfernung des Tumors mit ausreichendem Sicherheitsabstand, gefolgt von regelmäßigen Kontrolluntersuchungen. An besonderen Lokalisationen und im hohen Alter kommt alternativ auch eine Behandlung mit Röntgenstrahlen in Frage.

Plattenepithelkarzinom

Das Plattenepithelkarzinom (Stachelzellkarzinom, Spinaliom) ist ein bösartiger Tumor, der von den Stachelzellen der Epidermis (Oberhaut) ausgeht. Es tritt an der äußeren Haut, aber auch an der Schleimhaut auf. Für die äußere Haut ist die chronische Sonnenbestrahlung ein wesentlicher ursächlicher Faktor. Aber auch Röntgenbestrahlung und die Einwirkung verschiedener Chemikalien wie Arsen, polyzyklische Kohlenwasserstoffe, Pech, Teer, Roh-, Heiz-, Schmieröl, Tabak und Ruß begünstigen die Entwicklung von Plattenepithelkarzinomen. An den Schleimhäuten der Mundhöhle fördert Alkohol in Kombination mit chronischem Nikotinabusus, an den Schleimhäuten der Genitalen chronische Infektionen mit Viren das Tumorwachstum.

Vor allem an der äußeren Haut entwickeln sich Plattenepitzelkarzinome häufig auf dem Boden von Präkanzerosen, den möglichen Vorstufen eines Karzinoms. Dazu gehören die solare Keratose und der Morbus Bowen. Beide Präkanzerosen sind auf die Epidermis begrenzt und metastasieren nicht. Sie bilden sich aber nicht spontan zurück und sollten daher behandelt werden.

Die Plattenepithelkarzinome entwickeln sich vorrangig auf stark lichtgeschädigter Haut, also an Wangen, Nase, Lippen, am Oberrand der Ohrmuscheln, an den Handrücken und Streckseiten der Unterarme, seltener an Stamm und Unterschenkeln, bei Männern auf der Glatze. An den Unterschenkeln entstehen sie häufig auf dem Boden chronischer Unterschenkelgeschwüre.

Die Plattenepithelkarzinome können rötlich, gelblich oder hautfarben sein und beginnen als kleines, schmerzloses, hartes Knötchen, das mit zunehmender Größe langsam geschwürig zerfallen und von einer Kruste bedeckt sein kann. Im frühen Stadium bildet sich oft nur ein geröteter Fleck mit einer festhaftenden Schuppe. An den Schleimhäuten, z. B. im Lippen- oder Genitalbereich, zeigen beginnende Plattenepithelkarzinome weißliche Verhärtungen oder tiefrote, scharf begrenzte, leicht verhärtete Verfärbungen. Invasiv wachsende Plattenepithelkarzinome, die die Basalzellschicht durchbrechen und in tiefere Hautschichten wie die Lederhaut eindringen, haben die Fähigkeit zu metasasieren. Normalerweise erfolgt diese Absiedelung zunächst in die regionalen Lymphknoten, danach in die Lungen.

Die Behandlung erfolgt in erster Linie chirurgisch. In seltenen Fällen kommt auch eine Bestrahlung in Frage. Die Vorstufen der Plattenepithelkarzinome (aktinische Keratose und Morbus Bowen) können auch mit der Kyrotherapie (flüssigem Stickstoff) oder mit Fluorouracil, einem lokalen Zystostatikum, behandelt werden.

Malignes Melanom

Das maligne Melanom („schwarzer Hautkrebs“) ist der bösartigste Tumor der Haut. Maligne Melanome werden vorwiegend bei Menschen weißer Rasse beobachtet. 30 % der malignen Melanome entstehen auf vorbestehenden, pigmentierten Hautveränderungen, den „Muttermalen“, 70 % neu auf normaler Haut.

malignes-melanom

Bei Frauen sind Gesicht und Beine bevorzugt, bei Männern die oberen Rumpfpartien.

Man unterscheidet 4 Melanomtypen. Am häufigsten ist das superfiziell spreitende Melanom, das 65 % der Melanome ausmacht. Der Begriff superfiziell spreitend bezieht sich auf die Wachstumsphase. Diese Tumoren wachsen zunächst flach in der Oberhaut (Basalzellschicht), erst nach Monaten bis Jahren wird die Basalzellschicht durchbrochen und der Tumor dringt in die Lederhaut ein. Klinisch ist der Tumor erkennbar an unregelmäßiger, scheckiger Pigmentierung, bogigen Randausläufern und veränderter Oberflächenstruktur der Haut.

Das noduläre Melanom (20 % der Melanome) ist meistens tiefschwarz, kann aber gelegentlich auch hautfarben oder rötlich sein. Bei diesem Tumor fehlt die oberflächliche Wachstumsphase, er dringt sofort in die Tiefe ein, wodurch die Heilungschance verschlechtert wird.

Das Lentigo-maligna-Melanom (10 % der Melanome) wächst zunächst oberflächlich in der Epidermis – in der Regel langsamer als die anderen Melanomtypen. Oft bestehen schon seit vielen Jahren in Hautbereichen chronischer Lichteinwirkung – vor allem im Gesicht – unregelmäßig begrenzte, schwärzlich – braungrau pigmentierte Herde. Anders als bei den anderen Melanomtypen ist für die Entstehung des Lentigo-maligna-Melanoms -nach heutigem Kenntnisstand – die chronische Lichtschädigung wichtiger als die Zahl der Sonnenbrände.

Das akrolentiginöse maligne Melanom (5 % der Melanome) tritt, wie der Name bereits sagt, akral auf. Als Akren bezeichnet man die Hände und Füße. Diese Melanome sind häufig unregelmäßig braun-schwarz pigmentiert, können aber auch rötlich oder farblos sein und beziehen oft die Nagelstrukturen mit ein. Jeder Pigmentfleck an den Nägeln, der nicht eindeutig auf eine Verletzung oder Einblutung zurückzuführen ist, sollte kontrolliert werden.

Bei allen malignen Melanomen ist die Früherkennung entscheidend, weil der Tumor bereits frühzeitig metastasiert und dann ausgesprochen schlechte Behandlungschancen hat. Zur Früherkennung hat sich die ABCDE-Regel bewährt.

Alle unregelmäßig, unscharf begrenzten, sehr dunklen oder häufiger noch scheckigen, mehrfarbigen Pigmentflecken der Haut sind verdächtig und sollten von einem Dermatologen untersucht werden.

Die Therapie besteht in der Radikalexzision, bei der das maligne Melanom im Ganzen mit einer Sicherheitszone entfernt wird. Die Größe der erforderlichen Sicherheitszone richtet sich nach der Tumordicke. Je dicker der Tumor ist, das heißt je tiefer er in die Hautstrukturen eingewachsen ist, desto höher ist das Risiko einer Metastasierung. Dies ist dadurch zu erklären, daß der Tumor beim Durchbrechen der Basalmembran Anschluß an Lymph- und Blutgefäße bekommen kann. Je tiefer er in die Lederhaut einwächst, desto größer ist die Zahl der Blut- und Lymphgefäße. Die Tumordicke und die Eindringtiefe (Level) werden bei der mikroskopischen Untersuchung des Gewebes bestimmt und sind – wie gesagt-, entscheidend für die Prognose. Bei dickeren Tumoren wird heute der Sentinel-Lymphknoten entfernt. Das ist der Lymphknoten, der als erster in der Lymphabflußbahn des Tumors liegt. Wenn dieser Lymphknoten befallen ist, wird diese Lymphknotenstation ausgeräumt. Bei malignen Melanomen mit entsprechend höherem Risiko schließt sich heute häufig eine immunstimulierende Therapie mit Interferon an.

Wie im Kapitel „Haut und Sonne“ ausgeführt sind der vernünftige Umgang mit der Sonne und der Einsatz von Sonnenschutzmitteln der optimale Schutz gegen bösartige Hauttumoren und Lichtalterung. Die lange Latenzzeit von Jahrzehnten bis zum Auftreten der Hauttumoren und sonnenlichtbedingten Hautalterung ist trügerisch und verzögert oft die rechtzeitige Anwendung von Lichtschutzmitteln. Vom Babyalter an ist ein konsequenter Lichtschutz zu empfehlen. Je früher der Lichtschutz beginnt, umso besser kann den Lichtschäden vorgebeugt werden. Nach allgemeiner Meinung erfolgen bis zu 80 % aller nachhaltigen Hautschäden in den ersten 20 Lebensjahren.

Merke: Nicht die Sonne macht krank, sondern die Fehleinschätzung der Sonnenwirkung!