Akne

Die Akne ist eine Erkrankung der Talgdrüsen – Haarfollikel – Struktur. Sie tritt bei mehr als 80 % der Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 10 und 25 Jahren auf. In seltenen Fällen kann sie bis in das 4. Lebensjahrzehnt andauern. Bei Mädchen treten die „Pickel“ meist früher als bei Jungen auf. Der Krankheitsverlauf ist bei Jungen hingegen schwerer als bei Mädchen. Auch wird oft eine Verschlechterung im Herbst und Winter beobachtet.
Die entzündlichen Hautveränderungen treten im Gesicht, in schweren Fällen auch an Brust, Rücken, Kopfhaut, Achseln, Leisten, Genitalbereich und in der Gesäßfalte auf. Am häufigsten ist das Bild der Akne vulgaris. Bei der Entstehung der Akne spielen hormonelle Faktoren, wie die Umstellung der Hormonspiegel im Verlauf der Pubertät, aber auch anlagemäßige und äußere Faktoren eine Rolle. Einige Akneformen werden durch Medikamente, chemische Substanzen oder auch Kosmetika hervorgerufen. Eine Sonderform ist die Akne excoriée, die durch Manipulationen mit Drücken, Quetschen und Kratzen entsteht. Säuglinge können nach der Geburt oder in den ersten Lebenswochen eine leichte Akneform ausbilden, die sich spontan in wenigen Monaten zurückbildet. Ursache sind erhöht ausgeschüttetes Androgen (männliches Keimdrüsenhormon) und ein verstärktes Ansprechen der Talgdrüsenfollikel auf dieses Hormon.

Akne vulgaris

Akne vulgaris

Bei allen Akneformen entwickelt sich eine erhöhte Talgsekretion mit Verhornungsstörung der Talgdrüsenausführungsgänge. Diese Ver- hornungsstörungen werden als Mitesser (Komedonen) bezeichnet. Es gibt offene, schwarze und geschlossenen, weiße Mitesser. Diese Hornpröpfe verhindern, dass der verstärkt gebildete Talg aus den Talgdrüsen abfließen kann. Bakterien besiedeln den Talg und setzen mit ihren Enzymen (Lipasen) aus dem Fett Fettsäuren frei. Der gestaute Talg und die Fettsäuren bewirken eine entzündliche Reaktion der Talgdrüsen-Haarfollikel-Anlage. Die entzündeten, überdehnten Follikelwände bilden die typischen Knötchen (Papeln), bei starker bakterieller Besiedelung auch eitrige Knötchen (Pusteln). Je nach Ausprägung der Entzündung können die überdehnten Follikelwände einreißen und der Inhalt aus Talg, Fettsäuren und Horn in der umgebenden Lederhaut Abszesse, Fremdkörperreaktionen und Knotenbildung hervorrufen, die häufig mit Narben abheilen.

Wichtig für die Entstehung der Akne sind hormonelle Faktoren, insbesondere die Einwirkung männlicher Sexualhormone (Androgene). Auch Frauen bilden in geringen Mengen Androgene in den Eierstöcken und der Nebennierenrinde. Jungen produzieren zehn mal mehr Androgene als Mädchen. Dies erklärt die häufig schwereren Akneformen bei männlichen Jugendlichen. Entscheidend für die Ausbildung der Akne ist in der Regel nicht ein erhöhter Androgenspiegel, sondern ein verstärktes anlagemäßiges (genetisch bedingtes) Ansprechen der Androgenrezeptoren an den Talgdrüsen. Diese Rezeptoren an den Talgdrüsen sind unterschiedlich aufgebaut. So genügen bereits geringe Androgenkonzentrationen in der Pubertät, um die Talgdrüsenfunktion erheblich zu steigern. Bei Frauen ist das Verhältnis zwischen den Androgenen und den anderen, vor allem weiblichen Sexualhormonen für die Entstehung der Akne wichtig. So verbessern östrogenbetonte Pillen und Antiandrogene die Akne zum Teil deutlich. Nach dem Absetzen dieser Pille kommt es dann häufig zu einer erneuten Verschlechterung des Hautbildes. Ein Aufblühen der Akne sieht man auch öfter nach der Entbindung. Nach der Geburt fallen die Östrogenspiegel ab und die Akne kann wieder auftreten.

Weitere Faktoren, die eine Akne beeinflussen können, sind emotionaler Stress, Druck, Reibung und Luftabschluss. So kann Reibung durch einen Rucksack zu einer Verschlechterung der Akne auf dem Rücken führen. Druck durch häufiges Aufstützen des Gesichts auf die Hände kann die Entzündungsreaktionen der Akne verstärken. Keinen Einfluss auf die Akne hat hingegen die Ernährung. Süßigkeiten wie Schokolade, fettes Essen, scharfe Gewürze, Fast Food verschlechtern die Akne nicht wesentlich. Empfehlenswert ist eine abwechselungsreiche Kost mit Ballaststoffen, Obst und Gemüse.

Kontakt mit Mineralölen im Beruf und Medikamente wie Jod- und Brompräparate, Lithium, Hydantoin, lokale und systemische Kortikosteroide und orale Kontrazeptiva können zu einer Verschlechtern der Akne führen.

Die Behandlung der Akne richtet sich nach dem Schweregrad. Die Behandlung sollte frühzeitig und konsequent erfolgen, vor allem , wenn Mitesser bereits in niedrigem Lebensalter auftreten und / oder bei Eltern und Geschwistern eine Akne besteht oder bestanden hat. Durch die frühzeitige Behandlung kann die Schwere der Akne gemindert, der Krankheitsverlauf häufig verkürzt werden und die Bildung von Narben vermieden werden. Durch die Behandlung der Akne wird das Aussehen verbessert. Hierdurch wird das Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl gesteigert und nicht selten werden auch die beruflichen Chancen verbessert.

Eine konsequente Reinigung der fetten Haut mit teils weichen, fettaufsaugenden Tüchern, lauwarmem Wasser, pH-neutralen Seifen, milden Waschsyndets oder antibakteriellen Reinigungsgelen ist zu empfehlen. So können Fett, Schmutz und Make up-Reste schonend entfernt und die Haut für die anschließende Behandlung vorbereitet werden. Optimal ist eine Reinigung morgens und abends. Eine zu häufige und intensive Reinigung kann die Haut eher reizen. Zur „Reinigung“ werden auch häufig Peeling-Cremes (Rubbel-Cremes) mit Aluminiumoxid-Partikeln oder auch Fruchtsäuren empfohlen. Nicht selten lassen sich dadurch Mitesser entfernen. Bei stark glänzender Gesichtshaut ist es besser, mehrmals am Tag das überschüssige Fett mit einem Papiertaschentuch abzutupfen als das Gesicht zu häufig zu waschen.

Bei leichteren Akneformen werden zunächst desinfizierende, zum Teil antibakterielle und mitesserlösende Substanzen in Gel-, Tinktur- oder Cremeform auf die Haut aufgebracht. Zubereitungen mit Erythromycin oder auch Clindamycin und Tetracyclin werden bevorzugt. Benzoylperoxid hat noch eine hornlösende und mitesserbeseitigende Wirkung. Auch die nachfolgenden Präparate, die bei schwereren Formen der Akne eingesetzt werden, besitzen eine Schälwirkung und ermöglichen somit den Abfluss des Talgs aus den gestauten Talgdrüsen. Zu diesen stärker schälenden Präparaten gehören Retinoide, z.B. die Vitamin-A-Säure (Tretinoin), Isotretinoin und Adapalen. Auch Azelainsäure besitzt eine leichte Schälwirkung.

Bei mittelschweren Aknefällen werden zusätzlich die Antibiotika Tetracyclin, Doxycyclin oder Minocyclin innerlich verabreicht, zum Beispiel. Bei Frauen kommt außerdem die Therapie mit einer östrogenbetonten „Pille“ in Frage. Hierbei handelt es sich um antiandrogenwirkende Kontrazeptiva, die die zur Fettung neigenden Haut und die Mitesserbildung deutlich verbessern. Zu beachten ist, dass Antibiotikagaben die verhütende (antikonzeptive) Wirkung der „Pille“ verringern kann.

Je nach Leidensdruck und Wunsch kann auch eine abdeckende Therapie mit getönten antikomedogenen Cremes – mit oder ohne entzündungshemmenden Zusatz – eingesetzt werden. Diese Cremes sind über die Basistherapie zusätzlich anzuwenden.
Die Kosmetika sollten die Mitesserbildung nicht fördern, also nicht komedogen wirken. Auch Sonnencremes enthalten häufig Substanzen, die die Mitesserbildung aktivieren können. Zu empfehlen sind daher Gele, Creme-Gele und Wasser-in-Öl-Emulsionen mit hohem Wasseranteil.

akne
Schwere Akneformen sprechen meist auf die beschriebene äußere und innere Behandlung allein nicht ausreichend an. Falls nach 6-monatiger Behandlung die Akne sich nicht bessert, empfiehlt sich die Anwendung der Vitamin A-Säure Isotretinoin (13-cis-Retinsäure) innerlich.
Der Einsatz dieses Medikamentes wird bei Frauen dadurch begrenzt, dass ein sicherer Empfängnisschutz unbedingt erforderlich ist. Isotretinoin ist aufgrund der starken Wirkung auf die Talgdrüsen fruchtschädigend (teratogen). Durch diese Substanz erfolgt die wirkungsvollste Hemmung der Talgproduktion und Mitesserbildung. Die hypertrophen Talgdrüsen „schrumpfen“ auf Normalgröße. Es besteht ferner eine antientzündliche Wirkung, und selbst dicke Knotenbildungen unter der Haut bilden sich zurück. Es wird ein dauerhafter Erfolg bei ca. 80 % der Behandelten beobachtet. Der Behandlungserfolg hält Monate und manchmal Jahre an. Bei ausgeprägter Akne kann die Gabe von Isotretinoin unbedenklich wiederholt werden.

Nach Ausheilung einer schweren Akne bleiben häufig, schüsselförmige, wurmstichartige oder auch erhabene (hypertrophe) Narben zurück. Da meist mit einer Besserung der Narben innerhalb von 1-3 Jahren zu rechnen ist, sollten zuerst schonende Be- handlungsmaßnahmen wie Kryotherapie mit wiederholter lokaler Anwendung von Kältesprays versucht werden. Bei hypertrophen Narben helfen Injektionen mit Kortison in das Narbengewebe. Nach Abklingen der entzündlichen Akneerscheinungen kann ein Peeling mit Fruchtsäuren oder auch Trichloressigsäure durchgeführt werden. Als operative „schälende“ Verfahren werden die Dermabrasion und Laserablation eingesetzt. Akneknoten können, falls sie nicht auf die Kyrotherapie oder Injektion mit Kortison ansprechen, durch Exzision entfernt werden. Nach Peelingverfahren und Operationen ist für mehrere Monate ein konsequenter Sonnenschutz anzuwenden, um unnötige Hyperpigmentierungen zu verhindern.

Unter Akne inversa (Hidradinitis suppurativa, „Schweißdrüsenabszesse der Erwachsenen“) versteht man eine chronische Erkrankung mit entzündlichen Knoten und Abszessen in den Achseln, Leisten, im Genitalbereich, selten auch im Bereich der behaarten Kopfhaut. Es kommt zu schubweisen, schmerzhaften eitrigen Entzündungsprozessen. So finden sich nebeneinander abszessartige Knotenbildungen, zahlreiche Fistelgänge, Komedonen und vernarbte Areale mit deutlich hypertrophen und Brückennarben. Die Erkrankung tritt zwischen der Pubertät und dem 5. Lebensjahrzeht auf. Bei Frauen finden sich die störenden Abszessbildungen vor allem in den Achseln, bei Männern häufiger im Genital- und Analbereich. Meist treten diese Beschwerden bei Patienten mit angeborener Akneneigung auf. Begünstigend wirkt Übergewicht.
Der Krankheitsverlauf ist sehr unterschiedlich. Manche Patienten leiden nur in größeren Abständen unter spontan heilenden „rotblauen“, druckschmerzhaften Knoten. Bei anderen schreitet die Krankheit ständig fort, wobei größere einschmelzende Areale auftreten. Es bilden sich tiefe Fistelgänge und Vernarbungen, die erhebliche Schmerzen und Bewegungseinschränkungen verursachen können.

Zur Behandlung werden innerlich Antibiotika wie Erythromycin und Tetracyclin eingesetzt. Kortison kann lokal und gelegentlich auch innerlich verabreicht werden. In den frühen Krankheitsstadien hilft manchmal eine Behandlung mit Isotretinoin oral. Störende Knoten werden operativ in örtlicher Betäubung entfernt. Bei ausgedehnten Prozessen wird eine Ausheilung oft erst durch radikale operative Entfernung der gesamten betroffenen Hautareale erreicht. Für diese Operationen sind Verschiebetechniken und Verpflanzungen der Haut erforderlich.