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Die atopische Dermatitis ist also eine Hauterkrankung mit familiärer Häufung. Sie zeigt häufig pathologische Reaktionen auf Umweltfaktoren. Patienten mit atopischer Dermatitis neigen zu allergischer Rhinoconjunctivitis (allergischem Schnupfen und allergischer Bindehautentzündung) und allergischem Asthma. Diese familiäre Belastung ist Ausdruck einer atopischen Reaktionsbereitschaft, die vermutlich auf einem polygenen Erbgang beruht. Polygen bedeutet dabei, dass eine Reihe unterschiedlicher Gene an der Auslösung der Krankheit beteiligt ist. Die atopische Dermatitis ist eine entzündliche, stark juckende Hauterkrankung, die meist chronisch verläuft. Manche Patienten leiden unter akuten Schüben in größeren Abständen. Die wichtigsten Leitsymptome der Neurodermitis sind die extrem trockne Haut, der quälende Juckreiz und die durch Kratzen entstehenden Ekzeme. Diskrete Hinweise auf Neurodermitis sind der charakteristische Ausfall der äußeren Teile der Augenbraue, zum Teil deutliche querverlaufende Falten in Unterlidmitte, nicht selten schlecht heilende Einrisse in den Mundwinkeln und am Ohrläppchenansatz. Schubweise oder auch chronisch über längere Zeiträume bestehen unscharf begrenzte, gerötete Flecken. Es können sich auch Papeln (Knötchen) und Plaques, also erhabene, rötliche, geschwollen wirkende, flächige Hautveränderungen, entwickeln. Fast immer sieht man Kratzspuren. Nach längerem Verlauf entwickelt sich eine Vergröberung und Verdickung der Haut mit verstärkt erkennbarer Hautfelderung, hervorgerufen durch ständiges Reiben und Kratzen. An Handflächen und Fußsohlen verdickt sich oft die Hornschicht und es kommt zu tiefen schmerzhaften Einrissen, den Fissuren. Chronische Entzündung und chronisches Reiben führt zu einer verstärkten Pigmentierung der Haut, insbesondere im Bereich des Nackens, dem „dirty neck“.
Typisches Symptom der Neurodermitits ist der weiße Dermographismus, d. h. nach Kratzen oder Bestreichen der Haut mit einem harten Gegenstand tritt anhaltendes Abblassen auf. Patienten ohne atopische Veranlagung reagieren auf diese Irritation der Haut normalerweise mit geröteten Striemen. Häufig kommt es mit zunehmendem Alter zu einer spontanen Besserung der Symptome, nicht selten zur vollständigen Abheilung der Erkrankung. Die Hautveränderungen können sich bei der Hälfte der Patienten bis zum 20. Lebensjahr zurückbilden. Da die genetische Belastung jedoch weiter besteht, tritt unter entsprechenden Provokationsfaktoren jederzeit ein neuer Schub auf. 30 - 50 % der Patienten entwickeln außerdem eine weitere atopische Erkrankung wie Heuschnupfen oder Asthma. Provokationsfaktoren sind Austrocknung der Haut durch häufiges Baden und Waschen.
Insbesondere in der Kindheit finden sich bei 15 - 20 % der Patienten Inhalationsallergien auf Pollen, Tierhaare und Hausstaubmilben, seltener allergische Reaktionen auf Nahrungsmittel. Hautverschlechternd bei der atopischen Dermatitis wirken psychische Belastungen wie Stress. Sie sollten soweit wie möglich durch eine bewusste Lebensführung gemieden oder weitestgehend vermindert werden. Entspannungsverfahren wie autogenes Training, progressive Muskelentspannung, Meditationsübungen, Thai-Chi oder Yoga können hilfreich sein. Auch bei der Berufswahl sollte die atopische Dermatitis berücksichtigt werden. Berufstypische Belastungen wie Feuchtarbeiten, hohe Staubbelastungen, starkes Schwitzen verschlechtern das Hautbild deutlich. Die medikamentöse Behandlung der atopischen Dermatitis richtet sich nach dem jeweiligen Zustand der Haut. Man unterscheidet akute Hautzustände mit nässenden, stark entzündlichen Hautveränderungen, quälendem Juckreiz und zahlreichen Kratzspuren von subakuten und chronischen Zuständen. Bei letzteren herrschen Lichenifikation (Verdickung der Haut mit verstärkter Hautfelderung), schmerzhafte Risse - vor allem an Handflächen und Fußsohlen - und starke Schuppung vor. Bei akuten Hautzuständen wirken feuchte Umschläge mit schwarzem Tee hautberuhigend und entzündungshemmend. Fettarme Kortisoncremes oder auch milchartige Kortisonzubereitungen verkürzen die akute Krankheitsphase. Da auch eine deutliche Besiedelung mit Staphylokokken und anderen Bakterien vorliegt und diese kranheitsverstärkend wirken, werden auch Mischpräparate mit Antibiotika verwandt. Zur Juckreizlinderung sind Antihistaminika sinnvoll. Diese sollten nicht in Form von Cremes oder Gelen angewandt werden, da sie nicht selten zu allergischen Reaktionen führen, sondern als Antihistaminika -Tabletten ,-Saft oder -Tropfen. Bei stärkeren bakteriellen Infektionen der Ekzeme sind systemische Antibiotika empfehlenswert, falls sie nicht auf lokale Desinfizienzien ansprechen. Bei subakuten und chronischen Hautveränderungen ist die konsequente Rückfettung der Haut entscheidend. So werden ⇒Ölbäder, ⇒Öl-in-Wasser-oder auch Wasser-in-Öl-Emulsionen mit Feuchthaltefaktoren wie Harnstoff, Glycerin, Milchsäure eingesetzt. Stärkerer Juckreiz spricht auf Menthol-Kampfer -Zubereitungen oder ⇒Polidocanol in den Pflegesalben an. Die Verträglichkeit dieser Pflegesalben wechselt je nach Kranheitszustand oft stark und sollte individuell von einem Hautarzt abgestimmt werden. Je nach Akuität kommen zeitweilig Kortisonsalben oder auch kortisonfreie Wirkstoffsalben mit Inhaltsstoffen wie Teer, Schieferöl, Eichenrindenextrakt, Zink, Lebertran, Bufexamac in Frage. In den meisten Fällen wirkt sich die Lichttherapie mit UVA- und/oder UVB-Strahlern günstig aus. Die Wirkung basiert auf dem immunsuppressiven Effekt der UV-Strahlen. UVA 1-Licht ist bei der akuten atopischen Dermatitis und selektive UV-Therapie (SUP) bei chronischen Hautveränderungen besonders wirksam. Auch Klimawechsel beeinflusst eine atopische Dermatitis günstig. Empfehlenswert sind sowohl Hochgebirgsklima (Allergenarmut, Reizklima) als auch Seeluft, z. B. auf den Nordseeinseln. Viele Atopiker vertragen auch das moderate Klima auf den Kanarischen Inseln ausgezeichnet. Eine Klimatherapie führt in der Regel nur zu einer Stabilisierung der Erkrankung, wenn der Aufenthalt mindestens 3 Wochen beträgt. Ein entscheidender Fortschritt bei der Behandlung des atopischen Ekzems stellen die neuen topischen Calcineurininhibitoren Tacrolimus und Pimecrolimus dar. Schwerste Fälle der Neurodermitis müssen zeitweilig systemisch mit Kortison oder auch anderen, das Immunsystem schwächenden Medikamenten wie Cyclosporin A behandelt werden. Basis jeder Behandlung muss es sein, die Provokationsfaktoren für die atopische Dermatitis zu meiden oder ihren Einfluss zu reduzieren. Zu den unspezifischen Faktoren, die schubauslösend wirken und Juckreiz auslösen, zählt die Austrocknung der Haut. Diese wird besonders im Winter durch die sehr niedrige Luftfeuchtigkeit in den beheizten und mit Isolierfenstern versehenen Räumen verstärkt. Andererseits führt aber auch ein Hitzestau - bei feuchtwarmen Temperaturen im Sommer - zu verstärktem Juckreiz und vermehrten Entzündungen der Haut. Irritation der Haut durch Kleidung mit rauer Oberfläche ist zu vermeiden. Klimatische Einflüsse lassen sich begrenzt durch die Wahl der beeinflussen. Bei Kleidungsstücken sollte Schafwolle gemieden werden. Vielmehr empfiehlt sich locker geschnittene Baumwollkleidung und bei kühleren Temperaturen auch Kleidungsstücke wie Mäntel, Pullover, Schals und Handschuhe aus Fleecematerialien. Die Haut muss durch konsequentes ⇒Rückfetten mit ⇒Wasser-in-Öl-Zubereitungen, je nach Hautzustand und Umgebungstemperatur auch mit ⇒Öl-in-Wasser-Emulsionen gepflegt werden. Unterstützend wirken ⇒Ölbäder und Ölduschbäder. Günstig wirkt sich häufiges und dünnes Auftragen von Pflegemitteln aus. Durch zu dickes Auftragen von Cremes und Salben wird - neben dem unnötigen Beschmutzen der Kleidung - ein „Treibhauseffekt“ mit Hitzestau , Juckreiz und Rötung der Haut gefördert. Bei Patienten mit atopischer Dermatitis können Typ-I-Allergene (auf der Haut) direkt eine Entzündungsreaktion auslösen. Besonders betroffen sind Körperareale mit vermehrter Schweißsekretion und dünner Hornschicht. Auslöser sind Allergene, die auf dem Luftweg die Haut erreichen (Aeroallergene) wie Hausstaub, Milben, Tierhaare oder Pollen. Auch Lebensmittelallergene können von innen das Hautbild verschlechtern. Bei nachgewiesener Sensibilisierung gegenüber Hausstaubmilben sollte deren Konzentration in den Wohnräumen durch weitgehenden Verzicht auf Teppichböden, Plüschmöbel und Textilien verringert werden. Außerdem haben sich milbendichte Bettbezüge für Matratzen, Oberbett und Kopfkissen bewährt. Sinnvoll für Atopiker sind auch spezielle Staubsauger mit milbendichten Filtern. Im Schlafzimmer sollte die Temperatur nicht über 15° bis 16 ° liegen, da Milben sich bei höheren Temperaturen stärker vermehren. Da Tierhaare zu den bekanntesten Allergenen gehören und häufig besonders schwere Reaktionen an Haut und Schleimhäuten auslösen, sollten Atopiker grundsätzlich keine Tiere halten und auf Sportarten wie Reiten, die mit Tierkontakt verbunden sind, verzichten. Nahrungsmittelallergene können - eher selten -Schübe einer Neurodermitits auslösen. Es gibt jedoch keine generelle Diät bei Neurodermitis. Diese
Allergene müssen individuell ausgetestet werden, wobei der Nachweis allergischer Reaktionen im Pricktest oder auch bei Blutuntersuchungen noch nicht
schlüssig beweist, dass das Allergen auch Schübe der Erkrankung auslöst. Einer Testung muss immer ein Karenzversuch mit anschließender Provokation
folgen. Nahrungsmittelallergien sind bei Patienten mit atopischer Dermatitis insgesamt viel seltener als angenommen. Wird eine entsprechende Allergie durch
Testung und Provokationsversuch nachgewiesen, sollte das Nahrungsmittel gemieden werden. Nach einigen Jahren kann es jedoch durchaus sein, dass das
Nahrungsmittel wieder gut vertragen wird. Eine vorsorgliche Diät bei atopischer Dermatitis in der Kindheit ist eher abzulehnen, da durch diese Karenz eine langsame Gewöhnung des Körpers an das Nahrungsmittel verhindert wird.
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